Interview mit Hanno Benz, Fraktionsvorsteher Stadtverordneten-Fraktion SPD Darmstadt

Lakritz: Haben Sie ein Beispielthema bezüglich Darmstadt, das unsere drei Generationen, also Kinder, Eltern und Großeltern, besonders interessieren könnte?

Hanno Benz: Ich denke, dass eines der wichtigsten Themen, gerade wenn man das generationsübergreifend sieht, die Frage des demografischen Wandels ist und die Frage, wie die Stadt Darmstadt auf diesen Wandel reagiert. Die Stadt selbst wird in den nächsten Jahren weiter wachsen, insofern werden hier die Entwicklungen anders sein, als in anderen Bereichen der Bundesrepublik. Das heißt, wir werden nicht die Alterspyramide erreichen, wie das in anderen Städten der Fall ist. Insofern müssen wir auch anders darauf reagieren. Wir müssen einige Bereiche weiter ausbauen, wir müssen im schulischen Bereich die Sanierungsmaßnahmen vorantreiben und wir müssen bei all dem, was mit dem Stichwort „generationsübergreifend“ in Zusammenhang steht, viel mehr tun.

Lakritz: Wenn also ein neues Thema aufkommt, wie hat man sich denn den Vorgang vorstellen, mit dem diesem Thema nachgegangen wird?

Hanno Benz: Grundsätzlich haben wir als Sozialdemokraten den Anspruch, diese Stadt zu gestalten, das heißt, wir machen uns darüber Gedanken, wie diese Stadt in den nächsten Jahren aussehen soll. Was in dieser Stadt gebaut werden soll, was vielleicht nicht mehrgebraucht wird, was gebraucht wird. Auf Basis dieser Überlegungen entstehen dann politische Ideen und Programme. Wenn wir dann eine Idee ganz konkret haben, z.B. ein Kindergarten, der gebaut werden soll, dann sind wir als SPD-Fraktion, wir sind die größte Fraktion, in der Lage, einen Antrag zu schreiben an das Darmstädter Stadtparlament. Dort steht also „Wir fordern den Bau eines Kindergartens“, dann wird im Stadtparlament darüber diskutiert. Wenn eine Mehrheit sagt „Wir finden die Idee der SPD gut“ und der Antrag beschlossen ist, muss die Stadt Darmstadt diesen Antrag umsetzen. Dort gibt es Menschen, die diesen Antrag nehmen. Die Politik hat also diesen Antrag beschlossen, dann muss man schauen, wo könnte ein Kindergarten gebaut werden, woher kommt das Geld, in welchem zeitlichen Horizont kann das Projekt umgesetzt werden. Am Schluss steht dann hoffentlich ein neuer Kindergarten.

Lakritz: Inwiefern unterscheidet sich die SPD von anderen Parteien?

Hanno Benz: Wir unterscheiden uns vor allem darin, dann wir als einzige Partei in Darmstadt ein Programm für die Zukunft haben. Wir wissen und haben eine Idee, wie sich die Stadt in den nächsten 15 Jahren entwickeln soll, wie sie aussehen soll. Wir wissen, oder glauben zu wissen, wie diejenigen, die heute als Kinder geboren werden, in 20 Jahren, wenn sie erwachsen sind, die Stadt vorfinden sollen.

Lakritz: Woraus schließen Sie, dass das bei den anderes Parteien nicht der Fall ist?

Hanno Benz: Das schließe ich daraus, dass ich mir anschaue, was die anderen Parteien für eine Politik vertreten und wie kurzfristig zum Teil das ist, was sie fordern, denn wenn ich heute eine Forderung stelle, muss ich auch immer daran denken, wie sich das in der Zukunft auswirken wird und nicht nur kurzfristig bestimmte Dinge fordern, die vielleicht im Moment populär sind.

Lakritz: Inwiefern unterscheidet sich Darmstadt von anderen Städten, positiv, wie negativ?

Hanno Benz: Zum einen ist Darmstadt die schönste Stadt, die ich kenne. Das ist schon einmal ein großer Unterscheidungsfaktor. Zum anderen glaube ich, dass wir hier in der Stadt schon in vielen Bereichen früher, als in anderen Städten auf Entwicklungen reagiert haben. Ein Beispiel: Die Stadt Darmstadt war eine der ersten, die in Deutschland Seniorentreffs für ältere Menschen angeboten hat. Das war, als andere Städte bloß darüber diskutiert haben. Wir haben schon ganz früh Jugendtreffs angeboten, das ist 30, 40 Jahre her. Darmstadt war immer eine Stadt, die Entwicklungen sehr frühzeitig aufgegriffen hat und diese dann auch nicht nur verstanden, sondern auch in praktische Politik umgesetzt hat.

Lakritz: Wieviel Prozent der Themen, mit denen Sie in Ihrem täglichen alltag konfrontiert sind, haben etwa mit unseren drei Generationen zu tun?

Hanno Benz: Ich würde sagen, fast alle. In allen Themen spiegeln sich auch immer die Fragen wider „Wie kommen damit Kinder und Jugendliche zurecht?“, „Wie kommt damit die Elterngeneration zurecht?“, „Wie kommen damit Seniorinnen und Senioren zurecht?“ Ein Beispiel: Wenn es um die Frage geht, wie der öffentliche Personennahverkehr sich in Darmstadt darstellt, dann betrifft das alle drei Generationen. Denn das ist nicht nur ein Thema für Schulkinder oder für Erwachsene, sondern auch für ältere Menschen oder auch andere Menschen, die unsere Stadt besuchen zum Beispiel.

Lakritz: Haben Sie für uns gerade mal einen Umstand parat, der in Darmstadt absolut nicht in Ordnung ist, an dem schnellstens etwas geändert werden muss?

Hanno Benz: Ich glaube, wir müssen in Darmstadt eine Lösung finden für das Verkehrsproblem. Wir haben ein sehr hohes Verkehrsaufkommen, da ist beispielsweise unserer Auffassung nach die Nordostumgehung eine Lösung. EINE Lösung, nicht DIE Lösung, aber EINE Lösung. Wir müssen den Zustand der Straßen in Darmstadt verbessern. Und ich bin der Auffassung, wir müssen das, was wir im Betreuungsbereich für kleinere Kinder unter drei Jahren geschaffen haben noch viel weiter ausbauen um hier den Bedarf auch decken zu können.

Lakritz: Okay. Ich bedanke mich rechtherzlich.

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